Folge 1 von 4 · 17. September 2026

Warum fühle ich mich für die Gefühle anderer verantwortlich?

Jemand wird still, und du suchst sofort den Fehler bei dir. Vielleicht bist du nur sehr früh zuständig geworden.

Der Film zur Folge · ohne Ton

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Acht Karten · zum Blättern wischen

Ihr sitzt zusammen am Tisch. Das Gespräch läuft, alles ist gut. Und dann wird jemand still. Nur ein kurzer Moment, ein Blick nach unten, eine knappe Antwort. Und in dir läuft sofort die Suche los: Habe ich etwas Falsches gesagt? Was kann ich tun, damit es wieder gut wird?

Viele Menschen kennen das. Und die meisten halten sich deshalb für zu empfindlich. Ich sehe das anders. Oft steckt dahinter keine Überempfindlichkeit, sondern eine Fähigkeit, die sehr früh gelernt wurde.

Vielleicht gab es früher einen Menschen, dessen Stimmung den ganzen Raum bestimmt hat. Wenn er gut gelaunt war, war der Abend leicht. Wenn nicht, wurde es eng. Dann war es klug, genau hinzuschauen. Zu merken, wann etwas kippt, bevor es kippt. Und etwas zu tun, damit es gar nicht erst so weit kommt. Ein Kind, das so aufwächst, wird früh zuständig. Zuständig für etwas, das eigentlich nie seine Aufgabe war.

Diese Aufmerksamkeit verschwindet nicht, wenn wir erwachsen werden. Sie bleibt und meldet sich weiter. Wer früh gelernt hat, andere zu beruhigen, spürt heute jede Stille als Auftrag.

Ich halte nichts davon, diese Feinfühligkeit abzutrainieren. Sie ist wertvoll. Sie macht dich zu einem Menschen, der merkt, wie es anderen geht. Der Unterschied liegt woanders: Du darfst merken, was in anderen los ist. Du musst es nur nicht mehr für sie lösen.

Manchmal hilft eine einfache Frage in genau diesem Moment: Wessen Gefühl ist das gerade? Wenn die Antwort lautet, dass es gar nicht deins ist, darfst du es dort lassen, wo es hingehört. Die andere Person darf still sein. Sie darf schlechte Laune haben. Und du darfst trotzdem bei dir bleiben.

Du darfst fühlen, was andere fühlen. Aber es gehört nicht dir.

Mit diesem Beitrag beginnt eine neue kleine Reihe. Es geht um Verantwortung in Beziehungen: um alte Rollen in der Familie, um Schuldgefühle nach einem Nein und um schlechte Stimmung, die man kaum aushält.

Du darfst fühlen, was andere fühlen. Aber es gehört nicht dir.

Herzlich, Diana

Bildnachweis: Die Grundlage aller Filme und Bilder sind eigene Fotos von Roman Thomas, die mit Herzblut und KI modifiziert wurden. EU-Label AI MODIFIED

Diana Thomas · Systemischer Coach in Celle Impressum · Datenschutz